Vielleicht ist Ihnen schon aufgefallen, dass ich auf dieser Webseite ausschließlich von Tschechien schreibe, niemals aber von der Tschechei. Warum das so ist- erkläre ich in diesem Artikel.

 tschechei tschechien

Offizielle Landesbezeichnung

Die offiziell korrekte Bezeichnung unseres Nachbarlandes ist Tschechische Republik. Die zulässige Kurzform ist Tschechien.

Begriffsursprung Tschechei

Der Begriff Tschechei kam erstmals mit Enstehen der Tschechoslowakei im Jahre 1918 auf. In Anlehnung an andere Landesbezeichnungen wie etwa Türkei oder Mongolei wurde seither "Tschechei" als Kurzform für die Landesbezeichnung verwendet. In den 1930er Jahren wurde der Begriff dann verstärkt verwendet. Nach der Abtrennung des Sudetenlandes wurde vom verbliebenen Tschechischen Staatsgebiet von der "Rest-Tschechei" gesprochen. Dieser historische Kontext macht die Verwendung des Begriffs "Tschechei" heutzutage etwas problematisch.

Begriffsursprung Tschechien

Der Tschechische Begriff "Čechie" (Tschechien) wurde ursprünglich bereits im 19. Jahrhundert in Zeiten der Monarchie verwendet, wenn auch zu dieser Zeit der Begriff Böhmen häufiger gebraucht wurde. Nach der Trennung der Tschechoslowakei im Jahr 1993 musste eine neue Sprachregelung gefunden werden. Man einigte sich dann, auch unter Mitwirkung von österreichischen und deutschen Sprachwissenschaftlern auf den Begriff Tschechien als offiziele Kurzbezeichnung der tschechischen Republik. Eigentlich also eine ganz elegante Lösung.

Die "Tschechei" im Alltag

Papier oder heutzutage auch Bildschirme sind geduldig. Hier in der an Tschechien direkt angrenzenden Oberpfalz wird in Magazinen, Zeitungen usw. eigentlich ausnahmslos völlig korrekt Tschechien geschrieben. Beim gesprochenen Wort hingegen, ist "Tschechei" absolut omnipräsent. Nahezu niemand sagt hier Tschechien. Und ja, auch ich sage aus Gewohnheit, in vertrauter Umgebung "Ich fahre in die Tschechei" , "Das habe ich in der Tschechei gekauft" usw. Das kann man jetzt gut finden oder auch nicht - Fakt ist: Es ist so.

Was die Tschechen über die Tschechei denken.

Ich habe das Thema Tschechei oder Tschechien mal mit einer guten Freundin aus Tschechien besprochen, die viele Jahre in Deutschland gelebt hat und staatlich anerkannte Übersetzerin ist. Sie ist also in beiden Sprachen und Ländern zu Hause und weiß daher natürlich auch um die historische Vergangenheit und den gegenwärtigen Umgang damit. Sie sagt dazu klar:

Ob jemand Tschechei sagt oder Tschechien - ist mir egal.

Sie weiß, dass der Gebrauch des Wortes Tschechei in Deutschland immernoch weit verbreitet ist, und viele Menschen "Tschechei" nicht mit bösen Hintergedanken sondern schlicht aus Gewohnheit benutzen.

Auch sagt sie: Wenn man den Blick in die gemeinsame europäische Zukunft richten möchte, muss man aufhören stetig jedes Wort auf die Goldwaage zu legen.

  • Darauf hinweisen dass Tschechien eigenltich das bessere Wort sei: Wenn man das für wichtig hält - Ok!
  • Empört sein weil jemand Tschechei gesagt hat: Definitiv - Nein!

Wesentlich bedeutsamer als eine Wortklauberei sei Ihrer Meinung nach, dass manchmal noch völlig falsche Vorstellungen über das Leben im jeweiligen Nachbarland vorherrschen.
Ihr sei es z.B. in Deutschland schon passiert, dass man ihr erklären wollte was eine Mikrowelle sei. Dass manche Menschen in Deutschland immernoch denken, die Tschechen würden "auf den Bäumen leben" sei für sie sehr verstörend.

Umgedreht sei es oft so, dass manche Tschechen denken zur deutschen Staatsangehörigkeit gäbe es eine solide Bonität, sprich "Reichtum", automatisch mit dazu. Die fehlende Anerkennung, dass man auch in Deutschland das Geld "verdienen" muss fällt ihr also auf der Tschechischen Seite auf.

Dass das "Verstehen" einer anderen Volksgruppe mitunter etwas Zeit braucht ist selbstverständlich - und gerade uns Deutschen ja bestens bekannt.

Die offenen Grenzen und der mittlerweile damit verbundene sehr rege kulturelle Austausch sind hier aber gute und richtige Wegbereiter.

Kommentare  
0 #1 Alexander 2018-02-18 20:45
Danke! Endlich mal ein Artikel zum Thema Tschechei der ohne moralischen Zeigefinger auskommt und doch die Hintergründe, die Vergangenheit und die Gegenwart beleuchtet. Echt gut.
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